Forschung · Anwendungsbeobachtung

Wenn der Daumen zum Engpass wird

Eine Anwendungsbeobachtung zur Frage, ob sich Daumenbeschwerden bei Therapeut:innen präventiv begegnen lässt. Wir suchen zehn Physiotherapeut:innen mit Beschwerden im Daumengelenk, die über sechs Wochen eine individuell berechnete Handform anwenden und uns einmal wöchentlich kurz zurückmelden, wie es ihnen damit geht.

Kurz gefasst

Gesucht
Zehn Physiotherapeut:innen mit bestehenden Beschwerden im Daumengelenk. Bei größerem Interesse erweitern wir die Zahl.
Dauer
Sechs Wochen Anwendung im regulären Praxisalltag.
Aufwand
Einmal wöchentlich ein Kurzfragebogen – Bearbeitungszeit wenige Minuten.
Kosten
Keine. Die Handform verbleibt nach Abschluss bei Ihnen.
Start
Nach einer Online-Infoveranstaltung, anschließend Vermessung, Fertigung und Versand.

Warum dieses Thema

Der Daumen ist in der manuellen Therapie das am stärksten beanspruchte Werkzeug – und zugleich das verletzlichste. Die vorliegenden Erhebungen zeichnen ein deutliches Bild:

91 %der befragten Physiotherapeut:innen berichten im Lauf ihres Berufslebens über arbeitsbezogene muskuloskelettale Beschwerden1
> 50 %aller handbezogenen Beschwerden entfallen auf den Daumen – die häufigste Einzellokalisation1
65,3 %Lebenszeitprävalenz arbeitsbezogener Daumenbeschwerden in einer Kohorte manualtherapeutisch arbeitender Physiotherapeut:innen1

Als Risikofaktoren werden übereinstimmend benannt: manualtherapeutische Techniken, repetitive Belastung, eine hohe Zahl an Behandlungen pro Tag, das Weiterarbeiten trotz bestehender Beschwerden sowie Hypermobilität und Instabilität im Daumen selbst.1,2 Die Rhizarthrose ist die häufigste Arthroseform der Hand; Frauen sind deutlich häufiger betroffen.3

Für eine Berufsgruppe, deren Erwerbsfähigkeit unmittelbar an der Hand hängt, ist das kein Randthema.

Was gut belegt ist – und was offen bleibt

Für die Behandlung des bereits symptomatischen Daumensattelgelenks gibt es tragfähige Hinweise. In einer prospektiven Untersuchung an 50 Patient:innen mit einer individuell angepassten Orthese (30 Tage, je 16 Stunden täglich) zeigten sich eine deutliche Abnahme der Schmerzangaben auf der visuellen Analogskala und eine Zunahme der Griffkraft; im Einjahres-Follow-up wurde der Effekt bestätigt.4 Bemerkenswert daran ist weniger die Orthese als das Prinzip: die individuelle Anpassung an die konkrete Hand.

Für die Prävention bei genau der Berufsgruppe, die dieses Gelenk beruflich am stärksten belastet, ist die Datenlage dagegen dünn. Die Literatur benennt ausdrücklich, dass wirksame und dauerhaft praktikable Präventionsansätze für repetitive Hochlastarbeit weiterhin fehlen.5

Genau in dieser Lücke setzen wir an. Wir sind davon überzeugt, dass eine individuell passende Form mehr bewirkt als eine Standardgröße – belegt haben wir das für die Prävention nicht. Das ist der Grund für diese Anwendungsbeobachtung, und es ist der Satz, den wir auch gegenüber Teilnehmenden so sagen.

Was angewendet wird

Gegenstand der Beobachtung ist eine haptische Handform zur Entlastung und Entspannung der Hand, die zwischen den Behandlungen angewendet wird. Es gibt keine Konfektionsgrößen und keine Größenreihe, aus der ausgewählt wird: Die Form wird aus dem Handfoto individuell berechnet – für jede Hand eine eigene.

1
Handfoto

Die Hand wird auf ein Messblatt gelegt und fotografiert – mehr ist nicht zu tun.

2
Vermessung

Eine Software ermittelt aus dem Foto Handlänge, Handbreite, Mittelfingerlänge und Spannweite.

3
Berechnung

Aus diesen Maßen wird die Form individuell berechnet – passgenau für diese eine Hand.

4
Fertigung

Die Form wird gefertigt und zugeschickt. Für die Teilnehmenden entstehen keine Kosten.

Unsere Fragestellungen

Verlauf

Verändert sich das subjektive Belastungs- und Beschwerdeerleben im Daumen über sechs Wochen regelmäßiger Anwendung?

Alltagstauglichkeit

Lässt sich die Anwendung realistisch in einen vollen Behandlungstag einfügen – oder bleibt sie liegen?

Wir formulieren bewusst keine Wirkhypothese, die wir dann bestätigt sehen wollen. Ein Ergebnis, das keinen Unterschied zeigt, ist für uns ein verwertbares Ergebnis.

Ablauf für Teilnehmende

1
Registrierung

Sie tragen sich unten mit Namen und E-Mail-Adresse ein. Damit ist noch nichts entschieden.

2
Infoveranstaltung

Wir laden zu einem Online-Termin an einem Wochenende: Vorstellung des Vorhabens, Raum für Fragen, Einholung der Einwilligung. Wer danach nicht teilnehmen möchte, geht ohne Weiteres.

3
Handfoto

Messblatt ausdrucken, Hand auflegen, fotografieren, hochladen.

4
Anwendung

Sechs Wochen Anwendung, begleitet vom wöchentlichen Kurzfragebogen.

5
Abschluss

Auswertung, Rückmeldung an alle Teilnehmenden, Bericht an den Verband.

Umgang mit Daten

  • Die Handvermessung läuft lokal auf dem Gerät. Es wird keine Bilddatenbank aufgebaut.
  • Die Handfotos werden nicht gespeichert. Nach der Vermessung verbleiben ausschließlich vier Maßzahlen.
  • Protokolldateien der Software enthalten keine Namen und keine Dateinamen, aus denen sich eine Person ableiten ließe.
  • Die Fragebogendaten werden pseudonymisiert erhoben und ausgewertet.
  • Angaben zu Beschwerden sind Gesundheitsdaten im Sinne von Art. 9 DSGVO. Wir holen dafür eine ausdrückliche, schriftliche und jederzeit widerrufbare Einwilligung ein und erläutern sie in der Infoveranstaltung.
  • Bei der Registrierung auf dieser Seite erheben wir ausschließlich Name und E-Mail-Adresse – keine Angaben zu Ihrer Gesundheit.
  • Verantwortlich für die Verarbeitung ist die SaluNova GmbH i. Gr., Bingen am Rhein. Näheres in unserer Datenschutzerklärung.

Unabhängigkeit

Gestaltung, Auswertung und fachliche Verantwortung dieser Anwendungsbeobachtung liegen vollständig bei SaluNova. Ein beteiligter Berufsverband verbreitet den Aufruf, spricht damit aber keine Empfehlung für das angewendete Produkt aus. Wir werten selbst aus und veröffentlichen die Ergebnisse unabhängig davon, wie sie ausfallen – auch dann, wenn sich kein Effekt zeigt.

Registrierung

Ich möchte teilnehmen

Tragen Sie sich hier ein – wir melden uns mit dem Termin für die Online-Infoveranstaltung. Mit der Registrierung gehen Sie noch keine Verpflichtung ein.

Fragen vorab? Laura Wild, M. Sc. · Physiotherapeutin & Geschäftsführerin · laura.wild@salunova-forum.de · 06721 949879-0

Quellen

  1. Bhagwat S. et al.: Work-related thumb disorders in South African physiotherapists treating musculoskeletal conditions using manual therapy techniques. South African Journal of Physiotherapy, PMC6093102.
  2. Snodgrass S. et al.: Work-related thumb pain in physiotherapists is associated with thumb alignment during performance of PA pressures. Manual Therapy.
  3. Übersichtsdarstellungen zur Rhizarthrose, u. a. Orthinform (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) und Universitätsklinikum Heidelberg.
  4. Prospektive Untersuchung zu einer individuell angepassten Orthese des Daumensattelgelenks, n = 50, 30 Tage Tragedauer, Einjahres-Follow-up. Referiert in Verlag Orthopädie-Technik (360-ot.de) und DocCheck.
  5. Bove G. et al.: Key indicators of repetitive overuse-induced neuromuscular inflammation and fibrosis are prevented by manual therapy in a rat model, PMC8101118 – mit Hinweis auf fehlende langfristig praktikable Präventionsansätze.